Projekt - ...und mit Ende beginnt

Live Pasticcio präsentiert und gestaltet von W. Danzmayr
Brucknerhaus Linz, 9. und 10 Mai 2003
J.S. Bach: Suite für Violoncello Solo
Wolfgang Zamastil, Violoncello
Johannes Randolf, Choreographie
xIDA Dance Arts: Tanz
Hörbeispiel - Un Haz (live) DSL (1.92 MB) ISDN (986 KB) Modem (309 KB)

anochesido: Auszüge aus A. Piazolla’s „The rough dancer and the cyclical night – Tango Apasionado“
   -Prologue
   -Street Tango
   -Prelude to the cyclical night
   -Leonora’s Love Theme

Der Tango, die blutbefleckt entschlossene, melancholische, erotische Art, offen zu kommunizieren, zu heulen, zu leiden und auch glücklich zu sein. Wie kein anderer verstand es Piazolla, eine Musik, eine Kultur, eine Zeit, die von Bauch zu Bauch vermittelt wird mit seinen hohen kompositorischen Fähigkeiten zu vereinen, um die damalige Musikwelt aus einem konservativen, intellektuellen Traum wachzurütteln.
Leider hat man das, wie so oft bei neuen Künstlern, sehr spät bemerkt. Erst lange nach Piazollas Tod ist der Tangoboom über uns hereingebrochen und renommierte Musiker des klassischen – und auch des Jazzbereichs haben sich in diese Musik förmlich verknallt.
Man fing an, Piazolla an jeder Straßenecke zu spielen, die Musikverlage fanden ein neues Fressen und brachten unzählige Arrangements heraus, damit man Piazolla zukünftig auch vielleicht mit Basstuba und Melodica zum Besten geben kann. Was aber das Wichtigste ist, haben alle vergessen, oder nie gewusst... wenn man den Tango spielen will, dann muß man in ihn hineinkriechen, man muß ihn aufsaugen, man muß jede einzelne Note aufnehmen und verarbeiten, um ihn vermitteln zu können.

Man kann nicht einfach in das Notengeschäft gehen, um sich ein Arrangement zu besorgen, welches irgendein Mensch irgendwann nach Piazolla niedergeschrieben hat. Man muß dem Bandoneon lauschen, hören, wie es atmet, hetzt und sägt. Dann schreibt man das ganze nieder und kann es anderen Musikern und dem Publikum vermitteln. Es ist eine Musik, die aus unserer Kultur geflüchtet ist, um als völlig eigenständige Kultur viel später wieder zurück zu kommen.

„The rough Dancer and the cyclical Night“ ist für mich das reichhaltigste und tiefgehenste Album Piazollas überhaupt. Es steht über allen intellektuellen, kompositorisch theoretisierenden Floskeln und gibt sich in völliger Traurigkeit und Schönheit dem Tango voll und ganz hin.

continuum: Wolfgang Zamastil "Un Haz de Sueños Rotos", Instrumentalfassung.

Mein Beitrag zum bald abschwellenden Tangoboom der 90er und danach.
Das ist ja nicht auszuhalten, wie sich die klassischen - und auch die Jazzmusiker seit Jahren mit ausgeleierten Klischees bewerfen und die großen Tangueros spielen, ohne sich wirklich damit befasst zu haben. Bisher gingen leider viel zu viele schon mit Namen wie Discepolo, Cadicamo oder dem mittlerweile allseits beliebten Piazolla hausieren. Wahrscheinlich, weil sie es satt haben, ihr ganzes Leben lang immer wieder und wieder die gleichen Dinge zu tun und dieselben Stücke zu spielen. Ich nenne so etwas Egoismus. ...Musikalische Kosmopoliten - daß ich nicht lache!

Schade nur, daß der Tango Nuevo längst nicht mehr nuevo ist. Vielleicht sollte man auch versuchen, die großen Erneuerer unter den Komponisten nicht erst mal ein Leben lang zu ignorieren, um sie danach Jahrzehnte lang als die großen Entdeckungen zu feiern. Dann wäre der Tango nämlich schon viel weiter und die Musik hätte eine Zukunft, in der sie die Menschen begleiten könnten und sie nicht zurücklassen. Ein angenehmer Nebeneffekt davon wäre, daß sich das musikalisch ohnehin sehr beschränkte Niveau der Allgemeinheit um einiges heben würde.

Nur Konjunktive, ich weiß. Aber wenn ich wirklich ein Träumer wäre, würde ich mich nicht selbst darum kümmern, sondern weiter träumen. Selbst aktiv handeln, wie diese militanten Naturschützer, die uns an jeder Straßenecke begegnen. Punktum.