Kompositionskurse für Kinder und Jugendliche

„Wenn ich Musik hören will, dan mache ich das Fenster auf.“ (John Cage)

Am Konservatorium in La Rioja / Spanien wurde der erste Kompositionskurs von Wolfgang Zamastil für Kinder und Jugendliche zwischen 8 - 23 Jahren gestaltet.
Die 26 Teilnehmer wurden in Gruppen eingeteilt (8 - 11, 12 - 14, und 15 - 23 Jahre, daneben Einzelstunden für besonders produktive Teilnehmer und für ein blindes Mädchen). Auch interessierte Lehrer bekamen die Möglichkeit, mit Wolfgang gemeinsam zu komponieren. Nach einer kurzen Kennenlernphase gingen die einzelnen Gruppen verschiedene Wege, um ein gruppeninternes Stück zu komponieren.

Die 8 - 11jährigen


entwickelten eine Geschichte aus einem von Carlota (11) komponierten Stück mit dem Namen "La voz de cuenta cuentas" (Die Stimme eines Geschichtenerzählers) für Cello solo. In der Geschichte geht es um ein altes Waldhaus, in dem ein Jäger wohnt - und selbstverständlich um die Tierwelt rundherum. Claudia (11) komponiert den Mond für Klavier und der ebenso alte Diego eine Schlange, die in den Büschen verschwindet. - für drei Flöten, ein von der Selma (8) speziell dafür gebasteltes Instrument und die beiden Pflanzen, die auf der Bühne stehen. Dazu komponieren wir alle zusammen die Jagd auf den kleinen Hasen, den der Jäger in einen grossen Sack steckt. Gabriel (8) hat einen Schwan für Cello komponiert, der am stillen See seine Kreise zieht. Ausserdem hat er das Ende der Geschichte für Flöte und Klavier geschrieben, wo der Jäger von den Tieren zur Strafe im See versenkt wird.

Im Schlusskonzert spielen alle aus einer Partitur, sie haben ein bisschen gelernt, wie man seine Ideen organisiert und den musikalischen Ablauf auf Papier festhält.
Was herauskommt, ist ein komplett zeitgemässes Stück, total verrückt, amüsant, tonal, atonal, geräuschvoll, verträumt und selbst gespielt. Und das in drei mal 1 1/2 Stunden!

Die Mittleren, also 12 - 14 Jahre alt sind sehr an der Klangwelt ihrer Instrumente interessiert, vor allem der des Klaviers und der Celli. Sie entwickeln das Bild eines Schiffes, das langsam sinkt... still brennend (Viola) im Wind (Celli) hupt es schwach vor sich hin (Cello), bevor es in die Tiefe gezogen wird (alle). Wir sammeln Ideen für Klänge, Melodien, Harmonien und Rhythmen, die wir dann gemeinsam in einer Partitur festhalten. Wie notiert man eine Schiffshupe? Wie den Wind? Wie notiert man die Präparationen im Klavier? Es wird viel diskutiert, bis ein schönes fünf - Minuten Stück dasteht, in dem am Schluss die einen von ihren Instrumenten ablassen und sich zum Spielen um den offenen Flügel versammeln während die anderen zu den Lichtschaltern gehen, um den Aufprall des Schiffes mit Lichteffekten zu untermalen.

Die Jugendlichen zwischen 15 und 23 Jahren sind ein bisschen schüchtern. Sie haben Angst, etwas falsches zu machen oder eine Idee zu präsentieren, die vielleicht nicht so gut ist. Auch die Diskussionen über den "Wert" einer Idee und deren Ausführung sind hier weitaus ausgeprägter als bei den jüngeren Teilnehmern. Wir beschliessen auf Miguels (15) Vorschlag hin, das Stück vom kompletten Chaos zur herzerweichenden Schönheit zu führen. Doch wie geht man mit Effekten um? Warum muss man dabei lachen? Ist es wichtig, die Effekte genau zu organisieren oder doch nicht? Ist das denn wirklich Musik? Wie weit kann man denn gehen? Wir versuchen, unsere Ideen und das von uns aufgenommene Tonband, das während des Stücks erklingt sinnvoll in die Partitur einzubauen. Am Ende kommt ein Stück heraus, zu dem alle stehen können und das auch die Zuschauer sehr interessant, vor allem auch schön finden

Über das Komponieren mit Kindern und Jugendlichen

Kinder können all das, was man verlernt, sobald man anfängt, darüber nachzudenken, wie man sein Leben meistern soll. Sie müssen keine Rechnungen bezahlen und keinen Wettbewerb gewinnen, um das zu machen, was sie wollen. Sie tun es einfach.. Ich erinnere mich manchmal daran, wie ich als Kind bestimmte Dinge wahrgenommen habe.
Da gab es ganz konkrete, jedoch vollkommen abstrakte Gefühle, die ich jetzt kaum noch bemerke. Sie waren ganz individuell, ich wusste auch, dass nur ich diese Dinge so fühle. Manche von ihnen waren auch unangenehm, sehr sogar. Eigenartige Bilder, Konsistenzen oder Geräusche in Form von sehr starken Gefühlen. Ich träume heute manchmal von ihnen. Das bedeutet jetzt nicht, dass ich keine Gefühle mehr habe. Sie werden nur mit der Zeit etwas eintöniger und man gibt ihnen zusammenfassende Namen, diesen Gefühlen, die man als Kind für so wichtig hielt, aber nicht benennen konnte oder wollte.

Warum ich das erzähle?
Nun, als Komponist sucht man diese Dinge glaube ich. Man sucht seine ganz individuelle Wahrnehmung der (Um) Welt und entscheidet dann, was davon so stark ist, dass man es komponieren sollte. Diese Entscheidung ist wichtig, sie ähnelt auch anderen Entscheidungen im Leben, die zu fällen oft sehr schwer sind. Die Musik, deren Töne nicht greifbar sind, sondern schon an sich abstrakt, ist ein ideales Mittel, die persönliche Wahrnehmung einzufangen.
Bei einem Kompositionskurs ist meine Aufgabe lediglich jene, den Kindern und Jugendlichen klar zu machen, dass die Musik überall ist. Man braucht nur seine Umwelt genau zu untersuchen und sie dann zu „übersetzen“. Die Ideen können durchaus auch im Kopf entstehen, das Verfolgen von Bildern und Vorstellungen im Kopf gehört zu den spannensten Dingen des Komponierens Was man lernen muss ist, die Musik in einer für Musiker verständlichen Sprache auszudrücken.
Dabei kann ich helfen.

Nächster Kurs: Sommerstudio Salzburg
von 12. - 19. August 2005
(ensemble3 Musik & Theater Salzburg)
mehr...

Sie wollen an Ihrer Schule / Musikschule auch einen Kompositionskurs organisieren?

Hier einpaar Infos dazu:


Dauer
: 5 - 10 Tage, n.V. ca 6 Stunden pro Tag,

Teilnehmeranzahl
: Variiert je nach Länge des Kurses

Kosten
: Fahrt, Kost & Logie (ausserhalb von Berlin) + ? 100 pro Tag

Sprache
: Kurse in Deutsch oder Englisch. Mit gutem Simultanübersetzer auch in anderen Sprachen.

Auf Anfrage gerne Zusendung eines Info - Videos (Mpeg)