Warum jetzt mit dem Sammeln anfangen?

Eine Kunstsammlung aufzubauen klingt erstmal nach etwas, das nur Leute mit einem Loft in Berlin-Mitte und einem Banker-Gehalt machen. Stimmt aber nicht. Der zeitgenössische Kunstmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren krass verändert, und heute kann man durchaus mit 200 bis 800 Euro pro Werk eine richtig schöne Sammlung starten. Klar, ein Original von Banksy bleibt unerreichbar. Aber darum geht es hier auch nicht.

Was hier folgt, ist eine Auswahl von acht zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeiten man tatsächlich kaufen kann, ohne sein Erspartes komplett aufzulösen. Druckgrafiken, kleinformatige Originale, signierte Editionen – alles dabei. Und ehrlich gesagt, bevor man ein Werk an die Wand hängt, lohnt es sich auch, kurz über den Rahmen und den Hängeort nachzudenken, ein paar gute Ideen dazu gibt es zum Beispiel auf https://decoramaison.com. Eine gut gehängte Arbeit für 300 Euro wirkt nämlich oft besser als ein teures Stück, das im Flur verloren geht.

Was heißt eigentlich „zugänglich“?

Bevor wir loslegen, kurze Klärung. Zugänglich heißt hier zwei Sachen. Erstens : bezahlbar. Wir reden von Werken zwischen 100 und etwa 1500 Euro, je nach Format und Auflage. Zweitens : verständlich. Keine Arbeiten, vor denen man sich dumm fühlt, wenn man keinen Kunstgeschichte-Master hat. Aber trotzdem mit echter Substanz.

Wer übrigens denkt, dass nur Originale „richtig“ sind – falsch. Eine signierte und nummerierte Lithografie oder ein Siebdruck in kleiner Auflage ist ein vollwertiges Sammlerstück. Picasso hat sein Leben lang Druckgrafiken gemacht. Also.

1. David Shrigley

Der britische Künstler ist wahrscheinlich der einfachste Einstieg überhaupt. Seine Zeichnungen sehen aus, als hätte sie ein etwas zorniges Kind gemacht – kurze Sätze, schiefe Linien, dunkler Humor. Funktioniert sofort.

Seine signierten Drucke und Editionen findet man regelmäßig bei Galerien wie Stephen Friedman in London oder über sein Studio direkt, oft zwischen 200 und 800 Euro. Was ich an ihm mag : er ist tief in der zeitgenössischen Kunstszene verankert (Turner-Prize-Nominierung 2013), aber seine Arbeiten sind nie elitär. Man hängt das auf, und Gäste lachen oder runzeln die Stirn. Beides gut.

2. Camille Walala

Wenn man Farbe mag, ist Walala unschlagbar. Die in London lebende französische Designerin und Künstlerin macht großformatige Wandmalereien, aber auch limitierte Drucke und Editionen mit ihren typischen geometrischen Mustern in Pink, Gelb, Blau, Schwarz.

Ihre Editionen über Plattformen wie Avant Arte oder direkt über ihr Studio gehen meist zwischen 150 und 600 Euro weg. Perfekt für ein Wohnzimmer, das ein bisschen Tempo braucht. Achtung: das funktioniert nicht in jedem Interieur. In einem weißen, minimalistischen Raum – top. In einem Altbau mit Stuck und dunklem Parkett – schwieriger.

3. Jenny Holzer

Hier wird es etwas ernsthafter. Holzer arbeitet seit den 70ern mit Sprache, ihre berühmten „Truisms“ – kurze Sätze wie „Abuse of power comes as no surprise“ – sind echte Meilensteine der konzeptuellen Kunst.

Für Originale auf LED oder Stein muss man richtig tief in die Tasche greifen. Aber ihre Drucke, Plakate und kleinere Editionen gibt es ab etwa 300 Euro. Wer einen Satz an der Wand will, der nicht jeden Tag den gleichen wirkt – sie ist die richtige Adresse. Frage an euch : sucht ihr eher etwas Dekoratives, oder etwas, das jeden Morgen zum Nachdenken zwingt ?

4. Yinka Shonibare

Der britisch-nigerianische Künstler ist bekannt für seine Skulpturen mit batik-ähnlichen Stoffen, die Kolonialgeschichte und Identität thematisieren. Originalskulpturen – vergesst es, zu teuer. Aber seine Editionen, Drucke und kleineren Arbeiten auf Papier sind durchaus erreichbar, etwa zwischen 500 und 1500 Euro über seriöse Galerien.

Was ihn besonders macht : seine Werke wirken dekorativ, fast verspielt, sind aber inhaltlich extrem dicht. Man kauft also nicht nur ein hübsches Bild, sondern auch ein Gesprächsthema.

5. Hayv Kahraman

Die irakisch-amerikanische Malerin ist in den letzten Jahren stark im Kommen – was bedeutet, dass die Preise tendenziell steigen, aber noch erreichbar sind. Ihre Figuren – meist Frauen – schauen einen direkt an, mit einer Mischung aus Strenge und Zartheit, die schwer zu beschreiben ist.

Originale auf Leinen sind mittlerweile sehr gefragt, aber ihre limitierten Drucke liegen oft noch zwischen 600 und 1200 Euro. Für jemanden, der figurative Malerei mag und nicht nur Abstraktes, ein starker Kandidat.

6. Stik

Stik ist Street-Artist aus London, bekannt für seine minimalistischen Strichfiguren. Klingt simpel, ist es auch, aber genau das ist die Stärke. Seine Figuren transportieren Emotion mit wirklich wenig. Seine signierten Drucke sind ein Klassiker für Einsteiger, oft zwischen 400 und 900 Euro auf dem Sekundärmarkt. Vorsicht aber – Stik wird viel gefälscht. Immer über etablierte Auktionshäuser oder seriöse Galerien kaufen, niemals über zwielichtige Online-Shops. Das ist die Regel überhaupt beim Druckgrafik-Sammeln, eigentlich.

7. Tracey Emin

Ja, ich weiß, Emin ist nicht gerade ein unbekannter Name. Aber ihre Editionen sind tatsächlich noch im erschwinglichen Bereich, vor allem ihre Lithografien und Stickereien in Auflage. Zwischen 400 und 1500 Euro findet man durchaus etwas Signiertes. Ihre handgeschriebenen Sätze auf Papier oder ihre kleinen Zeichnungen haben diese rohe, persönliche Qualität, die schwer zu fälschen ist (im übertragenen Sinne). Wer etwas Intimes an die Wand hängen will – sie ist die richtige Wahl. Nicht für jeden Geschmack, aber das ist ja gerade der Punkt einer Sammlung.

8. Eduardo Terrazas

Der mexikanische Künstler und Designer, geboren 1936, ist weniger bekannt als die anderen auf dieser Liste, was preislich noch ein Vorteil ist. Seine Arbeiten – geometrische Kompositionen, oft aus Wolle auf Holz oder als Drucke – sind visuell stark und haben eine ruhige, fast meditative Qualität. Seine Editionen liegen oft zwischen 300 und 800 Euro. Perfekt für jemanden, der etwas sucht, das nicht in jeder zweiten Wohnung auf Instagram hängt.

 

Wo kauft man das eigentlich ?

Drei Adressen, die seriös sind und für Einsteiger funktionieren :

  • Avant Arte – Plattform für limitierte Editionen, gute Auswahl an zeitgenössischen Namen, transparente Preise
  • Artsy – eher Galerien-orientiert, breites Spektrum, gute Suchfunktion nach Preis
  • Galerien direkt – am besten, wenn man einen Namen kennt : Website checken, fragen, ob Editionen verfügbar sind

 

Wovon ich abrate : anonyme Online-Marktplätze ohne Provenienznachweis. Bei Druckgrafiken ist die Provenienz alles. Wer das Zertifikat nicht zeigen kann, hat wahrscheinlich auch keins.

Ein letzter Hinweis

Eine Sammlung ist kein Wettbewerb. Kauft nur, was euch wirklich gefällt, nicht was angeblich an Wert gewinnen wird. Niemand weiß, welche Namen in zwanzig Jahren noch zählen. Aber wenn ein Werk euch jeden Morgen beim Kaffee freut, dann war es den Preis wert – egal, was der Markt später sagt.